Es gibt gefühlt tausende Artikel darüber, was ein gutes Logo können muss. Schwarz-weiß funktionieren. Mit der Zehe in den Sand gezeichnet werden können. Auf einen Fingernagel passen. Aus drei Metern Entfernung erkennbar sein.
Das Problem? Diese Regeln wurden nicht für dich gemacht. Und schon gar nicht mit Selbstständigen im Hinterkopf.
Sie stammen aus einer Welt, in der Konzerne mit Millionenbudgets ihre Marken in Stadien, auf Trikots, auf Helmen oder auf riesigen Werbeflächen platzieren.
Bei Selbstständigen läuft der Hase anders.
Dein Logo landet auf deiner Website, auf deinem Instagram-Kanal (oder auf anderen Socials), in deinem Newsletter, Workbooks, Freebies und vielleicht auf einer Visitenkarte (und für den Fall, dass du ein Geschäft, Restaurant oder Café hast gibt es noch ein paar andere Platzierungen, aber you get the idea?).
Aber nicht nur die Platzierung ist bei uns Selbstständigen anders. Auch die Aussage und was das Logo transportieren können muss, unterscheiden sich stark von Konzernen. Das ist eine komplett andere Ausgangslage und braucht daher auch eine komplett andere Herangehensweise um zu funktionieren.
Logodesign für Selbstständige: was wirklich zählt
Als Brand Designerin für Selbstständige erlebe ich immer wieder dieselben Missverständnisse rund ums Logo. Meistens weil die verfügbaren Tipps schlicht nicht für Personenmarken gemacht sind. Hier sind die Dinge, die für dich und dein Business wirklich einen Unterschied machen.
Konzern-Logo vs. Personenmarke: ein wichtiger Unterschied
Ein Nike-Swoosh muss nichts erklären. Kein Schuh, keine Sportbekleidung, keine Unternehmensgeschichte. Nichts davon kommt durch dieses Symbol rüber, mal von ein bisschen Dynamik abgesehen. Und das ist auch gut so, denn Nike hat jahrzehntelange Markenarbeit und ein riesiges Marketingbudget dahinter.
Bei dir als Selbstständige ist das anders. Dein Logo ist (im besten Fall) du in grafischer Form. Es transportiert, wer du bist, wie du arbeitest und wie es sich für andere anfühlt mit dir zu arbeiten. Bist du eher ruhig und strukturiert? Quirlig und bunt? Klar und direkt? Das soll rüberkommen in deinem Branding. Nicht erst durch einen langen Text, sondern durch Farbe, Form, Schrift und den Gesamteindruck.
Das ist keine Kleinigkeit. Und deshalb lohnt es sich auch diesen Teil wirklich ernst zu nehmen.
Ein Konzern wie Nike muss das Logo auf allen Untergründen, allen Materialien (Schuhe, Shirts, Kulis, Merch,…) und in allen Rahmenbedingungen (als Sponsor, auf internen Dokumenten, in Fernsehwerbung,…) verwenden können.
Bei uns Selbstständigen ist das zum Glück wesentlich einfacher. Was aber nicht bedeutet, dass du niemals dein Logo auch auf Kulis oder Merch drucken wirst, aber wir haben nunmal ganz andere Möglichkeiten (im positiven Sinn). Damit das aber alles funktioniert, ist es wichtig, dass du beim Erstellen deines Logos darauf achtest. Mehr dazu weiter unten.
Der häufigste Fehler: alles auf das Icon setzen
Seit Jahren beobachte ich das bei Unternehmer*innen, die ihre Logos selbst machen: die meisten stürzen sich aufs Icon. In das Symbol, das Bildchen das Element, das irgendwie magisch alles erklären soll. Der Rest, also Name, Schrift, Farbe,… wird als Nachgedanke behandelt.
Spoiler: das funktioniert nicht.
Eine reine Bildmarke – also nur ein Symbol ohne Namen, ohne Schriftzug – macht für Selbstständige in den seltensten Fällen wirklich Sinn. Schon gar nicht bei Personenmarken.
Du baust eine komplette Marke rund um deinen Namen und lässt ihn dann beim Logo weg? Klingt unlogisch? Ist es auch. Noch dazu müsstest du das Symbol erst in einer eigenen Kampagne mühsam bekannt machen und dafür sorgen, dass es für sich alleine stehen kann. Honestly, who wants that?
Lady Gaga, Beyonce und andere berühmte Personenmarken wie Denise Duffield-Thomas, Oprah Winfrey, Joanna Gaines, Marie Forleo oder Marie Kondo verwenden auch nicht nur ein Symbol. Auch wenn ihr Name weniger Erklärung braucht.
Dein Name und eine kurze Beschreibung dessen, was du machst, helfen deinen potenziellen Kund*innen enorm dabei schnell zu verstehen, ob sie bei dir richtig sind.
Was du brauchst ist eine Wort-Bild-Marke (oder eine reine Wort-Marke): dein Name (oder der deines Business), ein visuelles Element und optional noch eine Subline. Also eine kurze Zeile, die zeigt wofür du stehst. Das muss kein Roman sein. „Mentorin für Selbstwirksamkeit“, „Steuerberatung für Kreative“ alles, was in einem Satz klar macht, was bei dir so abgeht oder dein Slogan.
Hier siehst du das anhand meines Logos:
Vergleich Wort-Marke, Wort-Bild-Marke und Bild-Marke. Du siehst, dass die Bild-Marke zwar schön ist (😉) aber alleine wenig Aussage hat.
Ja, im Idealfall hast du das Endergebnis in verschiedenen Varianten und kannst so immer die richtige Option wählen. In Create Your Brand zeige ich dir auch Schritt für Schritt wie das geht und nehme dich dabei an die Hand. Aber falls du dein Logo im kompletten Alleingang erstellst: halte dich an eine Wort-Bild-Marke. Damit bist du in jedem Fall gut beraten.
Weniger ist mehr!
Ich weiß, du hast viele Facetten. Ich weiß das so gut, dass ich sogar meine komplette Designmethode (hier zeige ich dir, wie du die anwendest, um dein eigenes Branding zu erstellen) darum aufgebaut habe wie wir all diese Facetten und Aspekte deiner Arbeit in deinem Branding und Logo sichtbar machen. Aber ich bin Designerin und mache das alldaylong – und seit Jahren.
Aber wenn du dein Logo im kompletten Alleingang erstellst empfehle ich dir klar: weniger ist mehr.
Deine Persönlichkeit ist komplex und deine Arbeitsweise vermutlich auch. Und du möchtest das alles in einem Logo zeigen. Das verstehe ich gut, aber dein Logo ist nicht zwingend der passende Ort dafür. Du hast in deinem Branding viel Platz, um Facetten deiner Persönlichkeit rüberzubringen.
Stell dir das vor wie ein Spektrum: jede Farbe, jedes Element, jedes Detail in deinem Branding sorgt dafür, dass es ein großes Ganzes ergibt.
Wenn da im Logo selbst schon zu viel drin ist – verschiedene Symbole, verschiedene Stile, zu viele Farben, drei Bedeutungsebenen – dann entsteht bei deinem Gegenüber (die nunmal eine fremde Person im Internet ist) auf den ersten Blick nicht das Gefühl von Vielseitigkeit, sondern von Verwirrung. Und Verwirrung führt dazu, dass Menschen wegklicken statt neugierig zu werden.
Das Ziel ist nicht, alles auf einmal zu erklären. Das Ziel ist, einen ersten Eindruck zu hinterlassen, der passt – und Lust macht auf mehr Infos. Tiefe kommt mit der Zeit. Beim Logo fängst du mit einem starken, klaren Signal an und schaffst so eine deutliche Verbindung statt wischi-waschi zu Allem und eigentlich Nichts.
Wenn du alle Aspekte deiner Persönlichkeit und Arbeit in einem einzigen Symbol unterbringen möchtest führt das am ehesten dazu, dass niemand so wirklich eine Verbindung dazu aufbauen kann, weil all diese Bereiche zu wenig Platz bekommen. Fokussiere dich stattdessen auf deine Kernaussage. Damit ist es auch einfacher eine Connection zu deiner Zielgruppe herzustellen.
Es kommt drauf an, was du mit deinem Business vorhast
Nicht jedes Logo muss gleich funktionieren. Und das ist einer der Punkte, die viele Online-Ratgeber komplett ignorieren.
Ein Restaurant braucht auf der Speisekarte mehr Details als auf der Website daher kann auch ein Restaurant-Logo aufwändiger gestaltet sein (vorausgesetzt es passt zum Restaurant).
Jemand der hauptsächlich auf Instagram aktiv ist, braucht ein Logo, das auch in klein noch gut erkennbar ist. Wer auf Kongressen auftritt oder oft in Kooperationen genannt wird, braucht auch eine quadratische Version des Logos, damit der vorgesehene Platz optimal genutzt werden kann und das Logo dann gut aussieht neben den anderen.
Und jemand, der vor allem eine Website betreibt, denkt vielleicht zuerst daran, wie das Logo in der Menüleiste aussieht.
Bevor du also anfängst dein Logo zu designen überlege dir kurz, wo dein Logo überall auftauchen wird. Das hilft dir die richtigen Entscheidungen zu treffen – über Format, Detailgrad und auch darüber, welche Varianten du brauchst.
Und nein, das bedeutet nicht, dass du und dein Business euch nicht weiterentwickeln könnt oder nach einiger Zeit einen neuen Kanal implementieren unmöglich ist, weil das Logo dann nicht reinpasst. Im Idealfall entwickelt sich dein Logo mit dir mit.
Die wichtigsten technischen Basics für ein gutes Logo
I know, I know, das ist immer ein bisschen langweilig und trocken. Aber glaube mir, diese technischen Voraussetzungen sind enorm wichtig für dein Logo. Weil sie den Unterschied machen zwischen „wirkt professionell“ und „wirkt irgendwie nicht ganz fertig“.
Lesbarkeit
Wenn deine Schrift zu dünn, zu klein oder zu wenig kontrastreich ist, liest sie niemand. Das klingt selbstverständlich, aber das ist tatsächlich einer der häufigsten Fehler. Gerade auf Bildschirmen und in kleinen Formaten rächt sich mangelnder Kontrast schnell.
Kein Hintergrund im Logo
Speichere dein Logo als PNG mit transparentem Hintergrund. Sonst hast du auf farbigen Flächen immer eine weiße Box, die einfach unschön aussieht. Auch wenn du das Logo mit der gleichen Hintergrundfarbe abspeicherst, kann es passieren, dass man eine Box drumherum sieht.
Zum Vergleich: Logo mit Hintergrund abgespeichert oder ohne. Du siehst, dass sich das ohne Hintergrund schöner platzieren lässt und keine störende weiße Box dahinter hat.
Ausrichtung und Proportionen
wenn etwas knapp nicht mittig ist oder ein Element etwas zu groß oder zu klein wirkt, sieht es nach Versehen aus und nicht nach gewollter Designentscheidung.
Im Logo wollen wir Intention. Also: lieber zweimal hinsehen und nochmal alle Abstände prüfen.
Ja, bei einem guten Logo gibt es noch viel mehr worauf du achten solltest, aber ich möchte dich hier auch nicht zur Logodesignerin ausbilden, sondern dir zeigen, was die wirklich wichtigen Sachen sind. Du musst das auch nicht im kompletten Alleingang machen. Dafür bin ich (und Create Your Brand) da.
Und was ist jetzt mit all den Regeln aus dem Internet?
Muss dein Logo in Schwarz-Weiß funktionieren? Kommt drauf an. Bei Selbstständigen im Online-Business ist das meistens nicht relevant. Muss es mit der Zehe in den Sand gezeichnet werden können? Auch das ist für die meisten irrelevant.
Was zählt ist, dass dein Logo dort funktioniert, wo du es einsetzt. Dass es transportiert, wer DU bist und dass es lesbar und im Alltag einsetzbar ist. Und dass es nicht so viel auf einmal aussagen will, dass es am Ende gar nichts sagt.
Das ist keine Raketenwissenschaft, aber es braucht ein bisschen Klarheit darüber, wer du bist und was du rüberbringen möchtest. Genau das ist auch der Ausgangspunkt in Create Your Brand: nicht irgendein Template, sondern DU.
Du arbeitest gerade an deinem Logo und merkst, dass du dir dabei gar nicht ganz sicher bist? Dann schau dir Create Your Brand an – mein Programm in dem wir genau das angehen: dein Branding, das wirklich deine gesamte Persönlichkeit zeigt.




Super auf den Punkt gebracht 🙂
Hi Jürgen,
herzlichen Dank. Schön, dass der Artikel dir geholfen hat.
LG Sophie